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Navigation im Meer der E-Mail-Angebote

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Ein Leitfaden. 

Die Wirtschaft in Deutschland und Europa lebt vom Mittelstand - einer Vielzahl von kleinen Unternehmen, die teilweise schon mehrere Generationen in Familienhand sind. Strukturen wurden aufgebaut, Prozesse gebildet und was man nicht selbst kann oder nicht selbst machen möchte, das wird outgesourct. Denn auch wenn diese Größe von Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft darstellen, sind die Ressourcen für eigenes Personal in manchen Bereichen weniger da als bei großen Konzernen. Und selbst wenn man alles in der eigenen Hand behält - Angebote via E-Mail, Telefon und Co. flattern trotzdem gefühlt täglich rein und stellen einen immer wieder vor die Frage: Wie gehe ich mit diesem Angebot um?

Das Postfach quillt über 

Der tägliche Geschäftstrubel, die ständig wachsenden Anforderungen des Marktes und auch der Kunden, neue Apps und Social Media - all das und noch viel mehr hält Unternehmer auf Trab. Das wäre eigentlich schon genug, aber hinzu kommt noch ein scheinbar endloser Strom von Anrufen, E-Mails und Anfragen von Unternehmen, die alle mit Tipps, Tricks und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auftauchen. 

Ein Blick in das eigene E-Mail-Postfach genügt und schon beginnt das Orchester der Versprechungen, Angebote und teilweise sogar einer Form von Angstmacherei. Doch neben Versprechungen und dem Schüren von Angst tauchen auch Ideen und Vorschläge auf, die nach einem Schlüssel zum Erfolg aussehen und auf den ersten Blick gar nicht mal so verkehrt klingen. Neben neuen Tools, mit denen alles schneller gehen soll, gibt es auch kostenlose Tipps und Angebote, Vorschläge das eigene Marketing zu revolutionieren und damit mehr Kunden zu haben, als man sich vorstellen kann und so weiter und so weiter. 

Eigentlich gibt es da nur zwei Möglichkeiten: entweder es wird direkt gelöscht (sofern der Spamfilter nicht vorab schon dafür gesorgt hat, dass solche Mails im richtigen Ordner landen) oder man befasst sich damit. Und dabei gibt es eine zentrale Frage: Wie kann man bei der Menge an Angeboten unterscheiden, welches davon für das eigene Unternehmen tatsächlich einen Mehrwert bieten kann? 

Ordnung ins Chaos bringen 

Solche Anfragen erhalten aber nicht nur Unternehmen, die potentielle Kunden wären, sondern auch wir als Agentur. In diesem Sinne haben wir uns Gedanken gemacht, wie man mit solchen Angeboten umgehen kann und wie man sie schneller in das große Ganze des eigenen Unternehmens einordnen kann. 

Eine mögliche Checkliste zum Umgang mit E-Mail-Angeboten: 

Mit diesem Leitfaden möchten wir zu etwas Orientierung beitragen, wie mit E-Mail-Angeboten umgegangen werden kann und eine Checkliste zur Einschätzung der Notwendigkeit für das eigene Unternehmen zur Verfügung stellen.

  • Was sind meine Ziele?
    ⁠Wenn klar ist, welche Ziele man als Unternehmen verfolgt, kann man auch überprüfen, ob die Ziele, die durch das Angebot scheinbar zum Greifen nahe liegen, überhaupt zu dem passen, was mein Unternehmen individuell möchte und erreichen will. 
  • Was sind die Bedürfnisse?
    ⁠Hierbei geht es nicht nur darum, was für das Unternehmen wichtig ist, sondern auch für Unternehmer*innen. Wer beispielsweise großen Wert auf Selbstbestimmung legt, sollte von Angeboten Abstand nehmen, die man entweder nicht versteht oder bei denen man zu viel dem Zufall überlässt.
  • Warum erhalte ich etwas gratis für mein Unternehmen? 
    Die Antwort auf diese Frage ist relativ einfach: Gratis Tests oder ein “Geschenk” dienen dem Anwerben und sollen das eigene Angebot vorstellen und schmackhaft machen. Wer schon mal ein Abo abgeschlossen hat oder sich auch zu einem Newsletter anmeldet, der landet im “Loop” des Unternehmens und wird dauerhaft mit Informationen versorgt. Man erhält dann noch mehr solcher Mails, die schwer einzuordnen sind, damit man sich dann letztlich doch dazu entscheidet, einmal die Zusammenarbeit auszuprobieren. 
  • Wie passt das Angebot zu meinem Unternehmen? Manchmal erhält man ein Angebot für etwas, was man schon macht (z.B. eine Form von Online Marketing oder Werbung). Das zeigt in dem Fall nur, dass es keine Recherche gab, bevor das Angebot verschickt wurde, nicht aber, ob das auch für das eigene Unternehmen sinnvoll ist bzw. passt. Oder für etwas, was man noch nie in Betracht gezogen hat und das heißt in dem Fall aber auch nicht, dass man es deswegen machen muss. 
  • Was ist mein "großes Ganzes"?
    ⁠Hiermit ist gemeint, dass beispielsweise Marketing-Vorgehensweisen und -Instrumente nicht isoliert zu betrachten sind. Jedes Tool, jedes Instrument, jede Maßnahme passt mit anderen (im Idealfall) zusammen und ist Teil der großen Strategie. Wer also mit Angeboten überflutet wird, kann - sofern gewünscht - prüfen, ob sie zum “großen Ganzen” passen oder nicht. 
  • Was kann ich über das Unternehmen in Erfahrung bringen? 
    Aggressive Versuche der Akquise finden bei verschiedenen Arten von Unternehmen Anwendung. Dies ist nichts, was nur einer Branche oder einer Größe zugeschrieben werden kann. Bei der Einschätzung, ob ein Angebot wirklich seriös ist, kann es helfen, sich beispielsweise Bewertungen über das Unternehmen durchzulesen und auch zu prüfen, was andere Kunden sagen. Das macht das Bild oftmals klarer.
  • Kann ich das Angebot auch ignorieren? 
    Na klar, man kann solche Angebote auch ignorieren. Selbst wenn es ein Versuch ist, der über “Angstmacherei” läuft, gibt es keinen Handlungszwang oder Druck. Gerade mit Aussagen dazu, ob beispielsweise eine Website so schlecht performt, dass man Gefahr läuft “Kunden zu verlieren”, ist ein Versuch Angst zu schüren. 
  • Was sagt mein Bauchgefühl?
    ⁠Ein wichtiger Punkt auf der Checkliste, den wir absolut nicht vergessen sollten: Was sagt das eigene Bauchgefühl? Natürlich sollte man sich gerade bei Geschäftsentscheidungen nicht blind auf ein Gefühl verlassen und Fakten berücksichtigen. Dennoch liegen wir oft richtig, wenn uns der Bauch das Gefühl gibt, dass etwas nicht passt oder auch etwas nicht stimmig ist. 

Versprechungen von E-Mail-Angeboten genauer unter die Lupe genommen 

Wer die Checkliste nun schon für sich einmal durchgegangen ist und das vermeintliche Angebot immer noch zu gut um wahr zu sein klingt, der sollte die imaginäre Lupe rausholen und sich die gemachten Versprechungen im Detail ansehen. 

Hier eine kleine Hilfestellung dazu, was wir als Team zu bestimmten Formulierungen als Einschätzung abgeben würden:

1. Umsatzsteigerung von XXX Prozent in X Monaten/ Conversion Rate in X Wochen von xx Prozent auf xx Prozent gesteigert
→ Diese Aussage finden wir schwierig. Natürlich klingt es gut, wenn bereits ein anderer Online Shop solche Erfolge erzielen konnte, jedoch muss diese Aussage einmal objektiv betrachtet werden: Es gibt keine Strategie, die 1:1 für jedes Unternehmen oder für jeden Online Shop genau gleich funktioniert und genau die gleichen Erfolge erzielt. Es kommt auf die Branche an, auf die Unternehmensgröße, auf das verfügbare Werbebudget, auf die Konkurrenten, die in der gleichen Branche aktiv sind, auf die richtige Auswahl des Marketing Kanals und und und. Daher sind Versprechungen mit konkreten Zahlen in Euro oder Prozent immer mit Vorsicht zu genießen.

2. Shop auf 7- bis 8-stellige Jahresumsätze steigern
→ Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch. Wir bei Flanke 7 schauen uns jeden Online Shop individuell an und geben anhand unserer Recherchen realistische Einschätzungen, was in den ersten 6 Monaten nach dem Start des Online Marketings erreichbar ist. Es ist natürlich klar, dass es immer besser ankommt, wenn man hohe Umsätze verspricht, aber wir halten uns mit unrealistischen Versprechen bewusst zurück und setzen auf eine vertrauensvolle, langfristige Zusammenarbeit, bei der wir die Ziele nach und nach realistisch anpassen.

3. Wer jetzt die Strategie nicht anpasst, wird in Zukunft in der Google Suche kaum noch auffindbar sein.
→ Das ist Angstmacherei und von solchen Aussagen nehmen wir Abstand. In so einem Fall, am besten erstmal den Stuhl vom Tisch zurückrücken und tief durchatmen. Es wird nicht von heute auf morgen passieren, dass man in der Google Suche komplett im Nirvana verschwindet. Hier am besten einmal die Marketing News rund um die großen Suchmaschinen prüfen und nachlesen, was dort in nächster Zeit für Updates angekündigt sind. Wenn Nachfragen aufkommen, gerne einmal im Freundes- und Bekanntenkreis umhören, ob jemand bereits mit einer guten Agentur zusammenarbeitet, die hier für die Klärung von offenen Fragen dienen könnte, ohne gleich ein konkretes Angebot unterzeichnen zu müssen.

4. Warum der Online Shop zum Scheitern verurteilt ist, wenn man sich nur auf Kanal X und Y verlässt.
→ Das können wir so auch nicht unterschreiben, denn das kommt auch stark auf den Online Shop, die Webpräsenz, das Produktsortiment und viele weitere Faktoren an. Für den einen funktioniert Werbung bei Google Ads am besten, für den anderen auf Facebook Ads und für den anderen funktioniert vielleicht das klassische Printmarketing am besten. Pauschal sagen kann man das nicht, es sei denn man hat in seiner Linkedin Stellenbeschreibung “Hellseher*in” stehen.

5. “Die Leute kaufen weniger” ist eine Ausrede, die genutzt wird, um schlechte Performance zu rechtfertigen.
→ Hier auch ein klares Nein von unserer Seite aus. In manchen Branchen trifft es tatsächlich zu, dass sich saisonale Schwankungen ergeben, z.B. ein Online Shop für Ski Zubehör wird in den Sommermonaten verständlicherweise weniger Umsatz generieren, genauso wie ein Online Shop für Baustoffe in den Wintermonaten weniger Umsatz erreicht, da die meisten Baustellen im Winter zeitweise pausiert werden müssen. Des Weiteren tritt bei steigender Inflation bei den Endkunden auch verstärkt die Überlegung auf, ob man sich aktuell gewisse (Luxus-)Güter, die man für den täglichen Lebensbedarf nicht benötigt, nun kauft oder lieber noch ein wenig wartet. Das ist aus Verbrauchersicht völlig verständlich. 

Genau so geht es übrigens in die andere Richtung: Es gibt viele Studien, die sich mit der Auswirkung von Wetterfaktoren auf den Umsatz in bestimmten Branchenfeldern beschäftigen, z.B. an besonders heißen Sommertagen steigt der Konsum von Eiscreme und an regnerischen Tagen steigt die Anzahl von Essensbestellungen bei Lieferdiensten.

Summary

Generell gesagt, wenn etwas auf den ersten Blick utopisch gut klingt, dann ist erstmal Vorsicht geboten. Natürlich können auch unverbindliche Erstgespräche vereinbart werden, um sich die besagten Angebote einmal im Detail erklären zu lassen.

Hier wäre aber ein gut gemeinter Tipp von unserer Seite aus: Wenn man selbst nicht so tief in der Welt des Marketings verankert ist, was das Verständnis angeht (was übrigens überhaupt nicht schlimm ist),  dann lieber einen Bekannten oder einen Business Partner mit in das Gespräch reinnehmen, mit dem man sich im Anschluss über das Angebot austauschen kann und die besprochenen Punkte noch einmal genau rekapitulieren kann, bevor man ein mögliches Angebot unterschreibt.


Falls ihr offene Fragen habt rund um Themen wie Webentwicklung, Printwerbung und Online Marketing, dann schaut euch gerne unsere anderen Blogbeiträge an oder kontaktiert uns. 

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